(Interviews) Gerhard A. Spiller, Autor „Die Wiese badet im Gelb“

Ein weiteres Interview mit einem Autor aus dem Peiner Landkreis geht online: Autor Gerhard A. Spiller hat ein neues Buch herausgebracht. Sein Buch mit dem Titel „Die Wiese badet im Gelb“ erschien im April 2018. Er öffnet die Grenzen zwischen japanischer Lyriktradition und europäischer Moderne. Er beweist mit seinen Versen, dass zumindest in der Poesie die Globalisierung glücken kann. Seine Haiku laden ein zur minutiösen Betrachtung der Natur im Wechsel der Jahreszeiten. Vielen Dank für das interessante Interview.

1. Lieber Herr Spiller, erzählen Sie unseren Lesern etwas über sich und warum Sie gerne Autor sind.

Geboren wurde ich 1964 in Ölsburg. Nach der Schule habe ich eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten beim Landkreis Peine absolviert und anschließend dort gearbeitet. Nach dem Wehrdienst habe ich über Abendschule das Abitur gemacht, anschließend an der Universität Konstanz mein Diplom als Verwaltungswissenschaftler erhalten. Seit 1994 arbeite ich wieder beim Landkreis Peine als Verwaltungsbeamter, seit dem Jahre 2000 wohne ich wieder in Ölsburg.

Zu meinen Hobbys gehört neben dem Sport schon immer das Lesen. Während meiner Schulzeit kam dann die Idee auf, es einmal selber mit dem Schreiben zu versuchen, aber erst seit dem Jahre 2001 habe ich wirklich ernsthaft begonnen, mich dem Schreiben zu widmen.

Die Frage, warum ich gerne Autor bin, lässt sich leider nicht so leicht beantworten. Im Vordergrund steht natürlich der Spaß am Schreiben, aber es gibt noch andere Beweggründe für mich: Ursprünglich habe ich Sachtexte verfasst, hautsächlich im Bereich der Heimatforschung. Da die Landesmittel für die Geschichtsforschung und die Archäologie knapp sind und in größere oder als wichtiger eingestufte Projekte fließen, gibt es kaum Projekte in unserer Gegend. Kommen dann noch große Notgrabungen wie am Harzhorn hinzu, bleiben für Ölsburg wie auch für den Landkreis Peine auf lange Zeit keine Forschungsgelder mehr übrig. Will man also die örtliche Geschichtsforschung voranbringen, muss man selber aktiv werden. Mit meinen kleinen Forschungsprojekten hoffe ich, einen Erkenntnisgewinn beisteuern zu können und zugleich andere Menschen für die oftmals als langweilig eingestufte Heimatforschung interessieren zu können. Denn langweilig ist sie ganz und gar nicht!

Bei meinen Kurzgeschichten, Essays und Gedichten möchte ich neben dem Spaß am Schreiben auch kleine Botschaften versenden. Nehmen Sie zum Beispiel die Haiku: Das sind Naturgedichte, die sich nur mit einem kleinen Ausschnitt, oftmals einem Detail, beschäftigen. In unserer hektischen Zeit sind wir es gewohnt, vieles nur oberflächlich zu betrachten, und die Natur hat in unserem Bewusstsein ohnehin an Stellenwert verloren. Mit meinen Haiku möchte ich zeigen, wie schön die Natur als solche ist und wie lohnenswert ein kurzes Verweilen zum Betrachten eines Details sein kann, weil man nur dann die Schönheit und den Erfindungsreichtum der Natur erkennen kann.

2. Wann haben Sie angefangen, Ihre Bücher zu schreiben?

Wegen der breit gefächerten Themenbreite und der unterschiedlichen Einflussfaktoren ist es nicht leicht, alles auf einen Anfang festlegen zu können. Wie wahrscheinlich alle anderen Autoren auch habe ich nicht gleich mit dem Schreiben eines Buches begonnen, sondern klein angefangen. Richtig begonnen hat es wohl im Jahre 2001 mit einem der schon erwähnten Fachaufsätze, Meine erste literarische Kurzgeschichte sowie den ersten Essay habe ich im Jahre 2004 geschrieben. In dieser Zeit habe ich mich auch für ungefähr ein Jahr der Schreibwerkstatt von Katja Göbel in Peine angeschlossen, durch die ich erstmals mit Haiku und intensiv mit Lyrik in Berührung gekommen bin. Seit 2005 gehören deshalb auch Gedichte zu meinen Arbeitsbereichen. Als ich dann ein mich interessierendes Thema wegen seiner Komplexität nicht in einem Aufsatz verarbeiten konnte, kam mir der Gedanke, es in Buchform zu machen. Es ist im Jahre 2011 erschienen und war, nicht verwunderlich, ein Fachbuch mit dem Titel ‚Kommunale Abwehrmaßnahmen gegen Aufgabenverlagerungen‘. 2013 folgte dann die Biografie meines Großvaters Heinrich Spiller, und seit 2015 sind bislang drei Gedichtbände hinzugekommen, die aber Texte aus mehreren Jahren beinhalten.

3. Wie lange benötigen Sie, um festzustellen, dass sie fertig sind?

Eine gefühlte Ewigkeit. Eigentlich bin ich nie mit einem Text fertig, denn auch wenn er gedruckt ist, finde ich beim Lesen immer noch Stellen, die ich besser hätte formulieren können. Würde ich also auf meine hundertprozentige Zufriedenheit warten, wäre noch kein Text erschienen. Während meines Studiums gab es aber für Hausarbeiten Abgabefristen, so dass ich gelernt habe, einen Text abzugeben, bei dem meine persönliche Zufriedenheit bei vielleicht neunzig Prozent gelegen hat. Die Noten haben mir gezeigt, dass meine eigenen Ansprüche zu hoch sein könnten. Jemand hat mal behauptet, dass ich ein Perfektionist sei – vielleicht ist da ja etwas dran, wenngleich ich es nicht glaube. Ich betrachte also einen Text als fertig, wenn ich nach mehrmaligem Lesen im Abstand von einer Woche keinen Änderungsbedarf sehe. Den sehe ich erst, nachdem ich den Text abgeschickt habe. 🙂

4. Welches Thema würde Sie brennend interessieren um daraus ein eigenes Buch zu schreiben?

Oje, wo soll ich da anfangen! Es gibt einige Themen im Bereich der Heimat- und der Geschichtsforschung wie auch der Politik- und der Verwaltungswissenschaft, die mich interessieren, aber auch den Bereich Kriminalroman/Thriller finde ich sehr reizvoll. Allerdings liegen mir auch meine bisherigen Bereiche sehr am Herzen, so dass es nicht leicht ist, ein Thema zu benennen.

5. Wie vermarkten Sie Ihre Bücher?

Sehr schlecht, würde ich sagen. Außer Mitteilungen in der örtlichen Presse und der direkten Ansprache von möglichen Multiplikatoren (beispielsweise im Bereich der Haiku die Deutsch-Japanischen Gesellschaften sowie deren Bundesverband) bin ich da nicht sehr aktiv. Da ich ja Vollzeit arbeite, bleibt für das Schreiben nur die Freizeit, und da konkurriert es mit Kontakten zu Freunden, der Gartenarbeit, dem Sport und anderen Dingen. Für ein wirkungsvolles Marketing bleibt da leider keine Zeit. Seit einiger Zeit versuche ich, durch die Teilnahme an Lesungen etwas mehr Aufmerksamkeit für meine Texte zu bekommen, aber auch diese Vorbereitungen kosten viel Zeit. Nun gibt es aber in Peine seit einigen Monaten einen Autorenstammtisch, der sich regelmäßig trifft, und bei dem auch das Thema Vermarktung einen großen Stellenwert hat. Ich hoffe, dort viele Impulse zu bekommen – das Problem für mich wird dann die Umsetzung bei knapper Zeit sein.

6. Auf der Suche nach Sie im Internet wurde ich kaum fündig, warum haben Sie noch keine eigene Autorenwebseite?

Nun ja, technische Dinge wie Computer liegen mir nicht. Ich bin der typische Anwender, der den Einschaltknopf drückt, danach muss alles funktionieren. Tut es das nicht, bricht Panik aus. Im Berufsleben ist das kein Problem, da rufe ich den Anwendungsbetreuer (der wirklich nur rein zufällig sein Büro unweit von meinem hat), aber privat stehe ich dann vor einem Riesenproblem. Ich müsste mich also erst mal intensiv in die Computerprogramme einarbeiten, bevor ich eine Autorenseite erstellen könnte. Dafür fehlt mir aber einfach die Zeit, weil ich die verfügbare Freizeit lieber mit dem Schreiben von neuen Texten zubringe als mich mit technischen Dingen zu beschäftigen, für die ich kein Faible habe. Deshalb bin ich der Servicestelle Kultur des Landkreises Peine sehr dankbar für das Angebot an uns Autoren, auf ihrer Internetseite eine Autorenseite einzurichten. Ich musste nur einmal den Inhalt übersenden und brauche jetzt nur Aktualisierungen hinzuschicken, den Rest macht die Servicestelle Kultur. Für jemanden wie mich eine tolle Sache, die ich deshalb auch gerne nutze, aber auf Dauer ist das natürlich nicht ausreichend.

 

Das Erwachen
Erster Sonnenstrahl
streift einen kahlen Kirschzweig,
wärmt Rinde und Holz,
kitzelt die kleine Knospe,
um sie zu wecken
aus dem langen Winterschlaf,
damit sie Blüte werde.

»Jedes Jahr ein Meilenstein, das Leben ein Mosaik.«
Gerhard A. Spiller

Zu bestellen über poesie21.info

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3 Kommentare

  1. Thomas Märtens
    Juli 22, 2018 / 5:04 pm

    Sowohl die Fragen der “Bücherliebe-Lengede“ als auch die erschöpfenden Antworten des Autors gefallen mir sehr gut. Gerhards Worte runden das Bild ab, das ich von ihm habe. Und noch was. Bis vor kurzem wusste ich nicht einmal, dass es “Haiku“ gibt, geschweige denn, was es damit auf sich hat. Jetzt kenne ich beides. Haiku und Gerhard. Daumen hoch!

    • Juli 22, 2018 / 6:07 pm

      Lieben Dank! 😉 Weitere in Planung!

  2. September 10, 2018 / 4:10 pm

    Gerhard ist ein sehr symphatischer, kompetenter Kollege. Ihm verdanke ich zum Beispiel das Wissen, was Haiku sind. Ohne ihn würde ich wohl glauben, es wäre ein asiatisches Nudelgericht. Aber Spaß beiseite. Es macht sehr viel Spaß, Menschen wie Gerhard zu treffen und sich mit ihnen auszutauschen. Und wie Bücherliebe Lengede die Autoren im Landkreis Peine unterstützt, ist Klasse.

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